Vita
Hildegard Jaekel
1939 geboren in Mannheim
lebt und arbeitet in Kassel
1958 – 1961 Werkkunstschule Saarbrücken
(Oskar Holweck , Boris Kleint)
1973 – 1975 HBK Kassel
(Walter Popp)
Ausstellungen im In- und Ausland
Ankäufe durch private Sammlungen und öffentliche Einrichtungen in Amsterdam, Basel,
Kassel, Paris, Berlin
Arbeitsschwerpunkte:
Malerei mit Erden aus Kassel und Erden aus der Welt
Objekte / Installationen
Kunst im öffentlichen Raum
Bei meinen Arbeiten benutze ich verschiedene Ausdrucksformen:
Die Objekte nehmen die menschliche Komödie oder – Tragödie als Ausgangspunkt.
In meiner Malerei mit Erden untersuche ich den Untergrund auf dem ich lebe und
vergleiche ihn mit anderen Orten der Welt. Mich interessiert die Gleichheit und Unter-
schiedlichkeit. Die Verschiedenheit und das Verbindende.
Werkgruppen:
Fläche + Raum, Künstliche Hügel, Konterfei der Orte, Leiber werden zu Stein
Die Installationen verbinden oft meine unterschiedlichen Ausdrucksformen unter
Einbeziehung des Ortes.
Bei allen drei Ausdrucksformen interessiert mich das, was „dahinter“ ist.
Mitbegründerin des “Kunstbalkon” e.V. Kassel
Kulturförderpreis der Stadt Kassel 1999 im Zusammenhang mit dem “Kunstbalkon”
Veröffent- lichungen
Kataloge
Zeitungen + Journale (Deutschland, Niederlande und Japan)
“Kunst im öffentlichen Raum” Kassel 1950 – 1991 (Jonas Verlag ISBN 3 – 89445 – 109 – 2)
“Kassel” Hans Eichel (Wartburg – Verlag ISBN 3 – 925277 – 64 – 1) Seite 50/51
Bilder und Texte des Objekts “Der Stuhl des Chefredakteur Karl Marx” in Büchern über
Kassel und Nordhessen
Künstlerlexikon Hessen – Kassel 1777 – 2000, Paul Schmaling (ISBN 3 – 934377 – 96 – 3,
S. 287)
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland , Kulturdenkmäler in Hessen – Stadt
Kassel, Thomas Wiegand (ISBN 3 – 8062 – 1989 – 3, S. 210)
u.a.
Mit der Landschaft malen
Über das Malen mit Erden, Aschen und Steinmehlen.
Erden, Aschen und Steinmehle sind bei mir, außer dem synthetischen Farbton Ultramarin, das einzige Farbmaterial das ich verwende. Erden haben in der Gesamtheit der Farbpalette ein schmales Spektrum, da viele Farbtöne dicht beieinander liegen. Sie verfügen aber über eine große Vielfalt.
Reiz der Wiederholung
Nuancen derselben Farbe
Akkorde
Zu Beginn meiner Malerei steht das Suchen und Sammeln von Erden. Freunde und Bekannte sammeln Erden in ihren Heimatländern oder auf Reisen rund um den Globus und bringen sie mir mit. Ich selbst grabe mein Material aus Kassels Baugruben, verbrenne Holz zu Asche und hole Steinmehl aus Steinmetzbetrieben.
Moos und Lehm
Verblassendes Gold
Das Grün der Fäulnis
Die Malerei selbst geht meist vom Quadrat aus. Das Quadrat organisiert die Komposition. Als Grundierung benutze ich Ultramarin, das mit vielen Erdschichten immer wieder überlagert wird. Die kräftigen Farben und die Materialität haben den gleichen Rang. Mich interessiert, was “dahinter” ist. Ich schaffe eine Bühne für die Phantasie. Beim Malen trifft sich die Welt auf meiner Leinwand in Kassel.
Etwas darstellen
Das es
Überall gibt
Drawing with the landscape
About drawing with dirt, ashes and stone powders
Dirt, ashes and stone powders are the only colour material I use apart from the synthetic hue ultramarine. In the total scale of the colour palette dirt has a small spectrum as many colour shades are close to each other. But they are of a great variety.
Flavour of repetition
Nuances of the same colour
Chords
Searching and collecting dirt is the very beginning of my drawing. Friends collect dirt in their home countries or during journeys all over the world and bring it along for me. I for myself dig my material out of Kassel's excavations, burn wood to ash and get stone powder from stonemasons.
Moss and clay
Paled gold
The green of the rottenness
The drawning itself mostly starts from the square. The square organises the composition.Priming colour is ultramarine, that is superimposed by many paint layers again and again.The powerful colour and the materiality have the same priority. I am interested in what is“behind”. I am creating a stage for fantasy. The world meets upon drawing on my linen screen in Kassel.
To present something
That is everywhere
Hildegard Jaekel
Fläche und Raum
Dr. Gertrude Betz
Hildegard Jaekel. Die meisten hier kennen ihre ruhigen Bilder, die sie seit Jahren recht-
eckig oder quadratisch in meditativer Konzentriertheit und der ihr ganz eigenen Erdung
malt. Erdung sage ich nicht nur wegen der von ihr benutzen Erden, Aschen und Steinmehle,
ich benutze das Wort auch, weil es die feinsinnige und ausdauernde Standhaftigkeit in
ihrem Malen kennzeichnenkann. Eigentlich hat sie – wenn sie ein Bild freigibt – Flächen
auf dem Malgrund geschichtet, verschoben über einem Davor / Dahinter, Oben / Unten
balanciert zwischen Durchlässigkeit und Dichte, brüchigem Pigment und graphischem
Ordnungszeichen. Dieser Arbeitsprozess ist zur Ruhe gekommen, abgeschlossen, wenn
der Betrachter sich zuwendet. Nichts drängelt oder beunruhigt die Wahrnehmung.
Wir sehen und dringen ein, wandern suchend und verbleiben in der Gewissheit, die letzte
unterste Schicht nicht mehr erreichen zu können.
Die Selbstbeschränkung auf das Format und die Fläche, mit einem immer ausgewogenen
schmalen Farbspektrum verlangt ein sehr sensibles Vorgehen im Bildaufbau. Was wir
als tiefe Ruhe und Stimmigkeit aufnehmen entsteht in einem angespannten, konzen-
trierten Kompositionsablauf. Wir ahnen etwas davon in der Tiefe der Schichtungen und
dem Klang, den jedes Bild hat. Das Bild ist das Bild, seine geheimnisvolle, unaufdring-
lichen Kraft hat uns darüber “belehrt”, dass unser Sehen und unser Erkenntniswille raum –
und orientierungssuchend verläuft, nicht nur von links nach rechts, sondern auch in einem
Vorne / Hinten und so, in der zeitlichen Suchbewegung, an der Schaffung, eines Raumes
aktiv mitwirkt. Diese intensive Bild – Betrachter – Beziehung, die Hildegard Jaekel stiftet,
wird immer wieder aufs Neue belebt durch die Farben und die Oberflächenstruktur, mit
denen sie – wie in beweglichen Energiefeldem – auf uns zukommt.
(Auszug aus der Eröffnungsrede zur Ausstellung “Face à Face” im Mai 2001 in Kassel)
Fields and space
Dr. Gertrude Betz
Hildegard Jaekel. Most of us know her calm pictures that she draws as rectangles or squares in meditative concentration and in her very personal grounding. I do not use the expression grounding only because she uses ground, ashes ans stone powders, but also because it can mark the sensitive and persistent steadfastness in her drawing. Upon release of a picture she has laid surface onto her drawing ground and shifted between 'in front of'' / 'behind' / 'above' / 'belove' and is balancing between permeability and density, crumbling pigment and graphic elements. In the moment the observer turns toward this work process, it has come to an end and is accomplihed. Nothing pushes the perception. We see and dive into the composition and know with certainty that we cannot reach the very last, the bottom layer. The reduction to format and surface with is consequently balanced spectrum of colours makes high demands for a very sensitive handling of the composition. What we perceive as deep silence and accord was created in a mood of tense and concentrated composing. We may foresee this in the depth of the layers and the sound of every picture. The picture is the picture and ist mysterious, discreet power has “taught” us that our looking for insight is searching for space and orientation, not only from the left to the right, but also from the front to the back thus, in this temporal searching moment, makes us part of the creation of a space. Hildegard Jaekel approaches us, as is in moving energy fields with colours and surface strictures that stimulate again and again the intense relationship that she creates between picture and observer.
(Excerpt of the opening speech by Dr. Gertrude Betz to the exhibition “Face à Face”, May 2001 in Kassel)
Leibhaftig
Auszug aus der Eröffnungsrede der Ausstellung “Leibhaftig”, Juli 2003, im Kunstbalkon
in Quidde 3, Kassel
…
Wichtig sind ihre gemalten “Steinleiber”, eine Serie, die aus Aktzeichnungen hervor-
gegangen ist und von vornherein die malerische Reduktion auf Haltung, Bewegung,
auf Masse in körperlich – räumlicher Ausdehnung durchspielt. Immer wieder neu wie
in einem Exercitium wird die leibliche Ausdrucksfähigkeit als Grundlage menschlicher
Kommunikation und Reflexion ausgelotet. Nicht um ein Individuum, ein Modell geht es,
es geht um Körperlichkeit (Masse), Bewegung, Raum. Deshalb können alle gleich grau
mit schwarzen Begrenzungslinien sein, sich wie archaische Zeichen rund und schwer
auf den dunklen, erdigen Flächen bewegen. Diese Flächen schieben sich unbestimmt
in einen dunklen, ungenau begrenzten Raum. Dieses intensiv variierte Thema hat ja nie
die Beziehung zu Hildegard Jaekel eigener Weise, mit Raum, Fläche, Körper um-
zugehen, unterbrochen, dieser stummen, rätselhaften Forschungsreise. Nur: der
menschliche Körper bringt Rundungen ins Bild, strukturierte Ansichten, die sich dem
Körperbau, den Gliedmaßen verdanken. Sie nahm also diese formalen Bedingungen in
ihr durchkonjugiertes Spiel auf und suchte auf dieser Wegstrecke nach neuen Formen,
die an den menschlichen Körper erinnern, aber schon dem abstrakten Formenrepertoire
ihrer vorherigen Werke so nahe sind, dass wir an den hier gezeigten Arbeiten auch diesen
Werkprozess ablesen können. Eine Passage quasi, die sich intensiv vom Akt angestiftet
über die materielle Veränderung ( Körper: Knochen, Muskel, Haut) zu eher flächigen
Steinmehlfiguren auf Leinwandlappen entwickelt und schließlich im Großformat wieder
zu Leinwand auf Keilrahmen mit abstrakten Formelementen, die nur noch über die Farbe
an den Ausgangspunkt erinnern.
…
Dr. Gertrude Betz
Incarnate
Excerpt of the opening speech by Dr. Gertrude Betz to the exhibition “Incarnate”, July 2003 in 'Kunstbalkon' in Quidde 3, Kassel
Bodies turn into stone
Hildegard Jaekel's painted “stone bodies” are important, a series which started with
nude drawings and right from its beginning touches the reduction to posture, to movement,
to mass in corporal-physical extension by painting. The physical mode of expression
as a basis of human communication and reflection is experienced again and again in very
different ways like during an exercitium. No individual, no model is object, but the body
itself (mass), movement, space. That is the reason why all bodies can be of the same
grey colour with black boundaries, can move as archaic signs, round and heavy on the
dark, earthen area. These areas vaguely move into a dark room of unknown dimensions.
This intensely varied topic has never interrupted the relationship to Hildegard Jaekel's
own way to handle space, area and body ? this silent, mysterious expedition. But:
the human body brings up curves, structured views due to physique and limbs. By
integrating these formal conditions into her completely conjugated game, she searched
for new forms who are reminders of the human body, but who are that close to the abstract
repertoire of forms of her previous works that we can trace the process in these shown
works of art. A virtual passage, that develops, intensely infected by the nude drawing, via
change of material (corporal: bone, muscle, skin) to more two-dimensional figures of
stone powder on pieces of canvas, and finally again to big-sized canvas on wedged
frames with abstract form elements, which only by colour remind of the starting point.








